1783 waren bereits 36 Colonisten eingewandert, teils reformierte, teils lutherische. Sie baten den Pastor von Groß Rodensleben, Christian Ehrenfried Mathisson, um die Seelsorge, aber er machte Schwierigkeiten. Statt seiner erklärte sich der Pastor von Wellen bereit, alle 14 Tage dort zu predigen und die anderen Amtshandlungen zu verrichten und forderte dafür aufs Jahr 25 Thlr. 2) Im Jahre 1785 hatte Hemsdorf 81 Einwohner , 5 große und 15 kleine Kossaten und 4 Kolonisten. Der Grundbesitz des Vorwerks war unter die Anbauer verteilt, nämlich 671 Mg. Acker und 60 Mg. Wiesen an der Elbe und Schrote. Die Gemeinde hatte mit Groß Rodensleben und Wellen Koppelhütung , die Gerichtsbarkeit übte das Amt Dreileben aus. Die Untertanen leisteten keine Dienste, entrichteten aber Ackerpacht. Im Jahr 1820 hatte der Ort 141 Einwohner, 22 Hufen und 22 Mg. Acker, 8 Mg. Gärten, 22 Mg. Wiesen und 1890 wohnten dort 254 Seelen. 2)
Es will und muß der Colonist Jakob Pfeiffer sein allhier zu Hemsdorf bele= Hennes Colonisten Guht mit 18 Morgen Acker dringender Schulden halber verkaufen. Da ich nun vor 2 Jahren die bei hiesigen Orte belegene Wind Mühle erkauft derbei aber keine Wohnung, auch zum Auf = Bau eines Hauses wegen der so wenigen Weide kein Platz mehr vorhanden ist so habe ich in der kurzen Zeit oft umher ziehen müssen, ja es ist nicht einmal eine Wohnung zur Miethe zu haben, weshalb mich dann bewog Eine Königliche Majestät alluntertänigst vorzustellen, mir nicht gesonnen sei dem Pfeiffer das Guth für 540 Tahler abzukaufen, mit welchem Geboth derselben auch sehr zufrieden ist, weil als dann noch etwas für sich behalten würde, und wollte er damit zu Niedleben wieder besetzen. Ich würde durch Erlangung besagten Guthes sein Unter= than und erhielte eine Wohnung, auch könnte ich von den Acker meinen Unter= halt mitnehmen, denn die bloßen Mühle kann, weil die hiesige Gemeinde sehr klein ist, mich nebst Frau und Kin=der nicht erhalten, und gleichwohl muß ein Müller hier sein, ich sehe mich also ge= Zwungen Seiner Königlichen Majestät aller Untertänigst zu bitten dem Jacob Pfeiffer nachzulassen dass selbiger sein Colonisten Guth an mich verkaufen dürfen, und des= wegen an das Amt zu Dreyleben allerhöchste Verordnung erteilen zu lassen. Wogegen ich Königliche Majestät Hemsdorff allertänigst Den 9 en May der Müller Johann Joachim 1780 Jacobs Magdeburg 11 May 1780 Resolution für den Müller Johan Joachim Jacobs zu Hemsdorf

1 Feldmorgen ca. 2501 m² =

x 18 Morgen = ca. 4,5 Hektar

Originaler

Wortlaut

des

Ersuchen

des

Johann

Joachim

Pfeiffer

an den König:

1780

muß

der

Colonist

Jacob

Pfeiffer

sein

Erbgut

Schulden

halber

verkaufen.

Mit

einem

Schreiben

an

seine

königliche

Majestät,

bittet

der

Müller

Johann

Joachim

Jacobs

diesen

Kauf

zu bewilligen

.

Die Notjahre der Hemsdorfer Kolonie   1771- 1780
1) https://de.wikipedia.org/wiki/Erzbistum_Magdeburg 2) Dr. Friedrich Danneil Beitrag zur Geschichte des Deutschen Bauernstandes 3) Alice Reboly, Die Friederizianische Kolonisation im Herzogtum Magdeburg; Aus Sachsen und Anhalt Jahrbuch der Landesgeschichtlichen Forschungsstelle für die Provinz Sachsen und für Sachsen Anhalt 4) LASA CCX/20 5) https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_II._(Preu%C3%9Fen) 6) Friedrich II.,Zitat aus Antimachiavell in: siehe 3) 7) „Denkschriften“ Friedrich des Großen
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letzte Aktualisierung  03. November 2019
Diese Seite wurde am 02.Oktober 2019 erstellt!
Allerdurchlauchtigster Großmächtigster König, Allergnädigster König und Herr,
1) https://de.wikipedia.org/wiki/Erzbistum_Magdeburg 2) Dr. Friedrich Danneil Beitrag zur Geschichte des Deutschen Bauernstandes 3) Alice Reboly, Die Friederizianische Kolonisation im Herzogtum Magdeburg; Aus Sachsen und Anhalt Jahrbuch der Landesgeschichtlichen Forschungsstelle für die Provinz Sachsen und für Sachsen Anhalt 4) LASA CCX/20 5) https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_II._(Preu%C3%9Fen) 6) Friedrich II.,Zitat aus Antimachiavell in: siehe 3) 7) Trinitatis = Pfingsten
Mit dem Tod des großen König 1787 endet auch sein Kolonisationswerk, es meldeten sich aber immer noch Ausländer zum Anbau, und das gut eingerichtete Siedlungswerk lief noch einen Weile planlos in alten Bahnen. Es hätte sicher fortgesetzt werden können, denn im Herzogtum Magdeburg mangelte es noch nach Friedrichs Tode an Menschen. Die angeregte Industrie und die beginnende Intensivierung der Landwirtschaft erforderten mehr Arbeitskräfte als vorher.“ 3)
Noch zu 30jährigen Krie aus Palm Kleinau.
Fortsetzung von Seite 1
Das Lange Haus um das Jahr 2000. Die Kastanie, links im Bild, stand bis ca. 2005. Die Bäume teilen das Haus auf, in die zu DDR Zeit von den Familien Werner, rechte Hälfte (1.Eingang), Familie Goedecke mittlere Eingang (zwischen den Bäumen) und letzten Eingang an der Schrote, der als letzter angebaut, aber als erster wieder unbewohnbar wurde. Foto:
„Schon Trinitatis 7) 1771/72 blieben die Kolonisten, die mit Mühe und Not kurz vor der Übergabe des Vorwerks die Kaution aufgebracht hatten, mit der Pacht in Rückstand. Ihre Bitten um Anleihen zum Ankauf von Schafen aus ihrer Kaution (sie durften 1000 Stück halten), um weitere Baugelder, da die erhaltenen nicht den vierten Teil der Baukosten gedeckt hätten, schlug das Magdeburgische Departement ab. Sie empfingen auch keine Freijahre, da ihnen bei der Übernahme dieses Vorwerks keine versprochen worden waren, solches auch in Fällen, wo Vorwerke in Erbpacht gegeben wurden, ganz und gar nicht bewilligt wurde, weil sonst der Ausfall an der ehemaligen Pacht und bei dem Etat entstehen würde. 1773 deckte das Amt die Pachtrückstände aus den Getreidevorräten der Kolonisten, setzte ihnen einen Observator , den sie mir 8 gr. pro Tag bezahlen mußten, der ihre Frühjahrsbestellung und Getreidevorräte überwachte, ihre Ernte beschlagnahmte (das fehlende Saatkorn war den Hemsdorfern vorgeschossen worden) und ihnen das nötige Brot- und Futterkorn zuteilte.
Wie wichtig die Ansiedlungspolitik seiner Zeit war, bezeugt noch die nachfolgende Maßnahme: „Um dem großen Mangel an Erntearbeitern im Magdeburgischen abzuhelfen, trug der König im Sommer 1742 bei seiner Anwesenheit in Aken dem Kammerpräsidenten v. Platen auf, bei jedem Dorfe 2 Ausländer als Tagelöhner oder Häusler anzusetzen. 15 Freijahre und das kostenloses Bauholz sollten sie erhalten. Es wurden gar 5 neue Kolonistendörfer gegründet. Altbrandsleben 1751, Mützel und Kühren 1755. Susigke 1756 und Chörau 1755 (?). Während des 7jährigen Krieges ruhte die Kolonisationsarbeit.
Der Domänenpächter bat die Kammer, ihn von der Sequestration [(Zwangs) -Verwaltung] der Kolonistenwirtschaften zu befreien, da er „von einer Art Menschen, bei denen ganze Banden von Zigeunern ihr beständiges Ablager halten, nicht viel Gutes erwarten“ könne. Man verwies ihn aber darauf, daß er schuldig wäre, liederliches Gesindel zur Festungs- und Zuchthausstrafe nach Magdeburg abzuliefern. Wegen der Haftung in solidum, von der die Hemsdorfer gern frei sein wollten, weigerte sich der Richter Weber , seine Erbverschreibung zu unterzeichnen: Er sowohl als alle übrigen Kolonisten zu Hemsdorf müßten nun zu ihrem größten Nachteil erfahren, daß sie sich zu etwas verstanden, was niemals ihre Intention gewesen. Es sei wahr, daß nach dem sie von d. H Kriegsrat Beyer befragt worden, ob sie einer vor alle und alle vor einen haften wollten, sie sich dazu verstanden und das solcherhalb abgefaßte Protokolle unterschrieben, allein sie hätten nach ihrem Sprachgebrauch darunter nichts weiter verstanden, als daß sie alle dafür sorgen sollten, daß die Pacht richtig abgetragen und von ihnen selbst zusammengebracht und einkassiert würde, daß sie sich dadurch als Selbstschuldner bei eines jeden abzutragender Rata constituieret, hätten sie aus dem Erfolg und dadurch, daß denen Unschuldigen sowie denen Schuldigen das Getreide abgepfändet würde, dergleichen aber hieße bei ihnen verbürgen, wozu sie sich weder anheischig [bereit erklären] gemacht noch jemals anheischig machen würden. Es sei was bekanntes, daß in hiesigen Dörfern Ackerleute, welche 6 Hufen Landes und mehr besäßen, bankrott würden und wer könnte die Kolonisten, die z. T. gar kleine Teile hätten, auch nicht alle gute Wirtschaft führeten, davon freisprechen? Sollte sich also einer für alle und alle für einen verbürgen, so sei die natürlichste Folge, daß einer für alle und alle für einen bankrott werden müßte
Die Lage der Kolonisten wurde immer dramatischer, was die nachfolgende Schreiben an die Kammer belegen:
Die Kolonisten wurden aber unter Androhung von Gefängnisstrafe zur Unterzeichnung gezwungen. Schon 1773 erklärten sie, aus ihren 22 Hufen Acker und Wiesen nur 900 rt. herauswirtschaften zu können. Sie klagten dem König ihre schlechte wirtschaftliche Lage, daß sie Hunger leiden müssten, ihr Vermögen zugesetzt hätten und baten um Senkung der Pacht. Eine gründliche Untersuchung der Hemsdorfer Wirtschaften durch Kriegs- und Domänenrat von Kemnitz anfangs des Jahres 1774 ergab, daß die Erbpächter im Vergleich zu den kontribuablen [steuerflichtigen] Untertanen der Umgegend insgesamt 553 rt. mehr an Abgaben zahlten, an Pacht 1339 rt. schuldeten, auch wirklich in den dürftigsten Umständen lebten und daß ihnen für ihre Güter das nötige Vieh fehlte, das sie sich aus Geldmangel nicht hatten anschaffen können. So setzte der König ihre Erbpacht im April auf 903 rt. 15 gr. II Pf. herab.
Die Solidumhaftung [solidarische Haftung] hörte von nun an auf. 724 rt. bewilligte das Magdeburgische Departement [Verwaltungsbezirk]. Die übrigen Gelder zur Deckung der Pachtreste nahm die Kammer aus der Kaution der Hemsdorfer. Die alten Vorwerksgebäude waren baufällig. Die Dächer wiesen verfaulte Ziegel und große Löscher auf. Ein Haus mit Stall hatte der Sturm umgeworfen. Ein Kolonist hatte sich noch überhaupt nicht angebaut. Im Juli 1774 zerschlug ein Hagelwetter alle Feldfrüchte und richtete ein Schaden von 1325 rt. an. Der Domänenpächter bat um eine Remission [(dauerhaftes) Erlassen], da der Kolonie nun zu ihrem eigenen Unterhalt noch 329 rt. fehlten und sie seiner Meinung nach sonst nie „auf einen grünen Zweig“ käme.
1775 bewilligte die Kammer ein Schulhaus für 743 rt. Ein Schulmeister , Jacob Pohl , aus dem Reiche unterrichtete die reformierten Kolonistenkinder, aber er erhielt dafür kein Gehalt, sondern nur einen Freitisch bei den Siedlern. 3) Die erste Schulstube ab 1771 befand sich im Langen Haus, im ersten Eingang. Dort wurde bis zum Bau der Schul- und Betstube mit Lehrerwohnung und Stall 1776 , und deren Bezug 1778 unterrichtet. Diese befand sich damals etwa dort, wo heute das Haus der Familie Liebzeit steht. 50 Jahre später wurde dann wegen der wachsenden Schülerzahl ein größeres Schulhaus mit Küsterwohnung gebaut. 1833 bis 1835 errichtet und 1900 mit einen größeren Schulraum als Anbau erweitert, es wird heute durch Familie Goedecke bewohnt. Auf Antrag des Inspektors der reformierten Schulen Konsistorialrat Küster in Magdeburg setzte Schulenburg wegen Armut der Kolonie 1777 aus dem Kolonisten-Etablissements-Fonts ein Kapital von 800 rt, beim Amt Dreileben aus. Dieses Geld wurde als Hypothek oder Darlehen an Interessenten gegeben. Die jährlichen Zinsen betrugen 40rt. Davon erhielt der Schulmeister 30rt. als jährliches Gehalt. 10rt. blieben übrig für die Ausbesserung des Schulhauses, für Fleiß- und Spinnprämien und für Schulbücher. Nun entwarf Küster einen Plan, nach dem die Gemeinde jährlich 86 rt. zur Besoldung ihres Lehrers beisteuern sollte. Er hatte 120 rt. als Gehalt zugrunde gelegt, wie in ähnlichen Fällen schon öfters geschehen war. Ein Tagelöhner konnte ungefähr halb soviel verdienen.
Hemsdorf bekommt ein Schulhaus Hemsdorf um 1722. aus  "Atlas Camera Magdeburg"
Es wurden aber auch Kolonisten, die sich selbständig auf den Weg gemacht hatten abgewiesen. So wird ein Kolonist benannt, der sich aus dem Reiche auf dem Weg gemacht hatte und sich Hemsdorf als Etablissement ausgesucht hatte. „Der Kolonist Dietrich war mit seiner Familie, Pferd und Wagen und 800 Gulden Vermögens angereist und konnte hier in Hemsdorf nicht mehr angesiedelt werden. Er wünschte sich dann einen wüsten Hof in Dreileben nehmen zu dürfen, was aber nicht mehr ging, da dieser Hof dem Amt Dreileben vorher zugeschlagen wurde. und sich jetzt nicht mehr vom Amt trennen ließ. Die Kammer machte ihm Vorschläge , sich auf dem Vorwerk Nietleben , bei Neuhaldensleben , in Burg anzusiedeln. Vergeblich! Dietrich beschwerte sich beim König, „es scheinet auch. daß ich meinem größten Schaden und Ruin nunmehro so platterdings zu Lande hinausgehen soll“. 3) Was daraus geworden ist, ist wohl nicht verbrieft.
Die Hauptzahl der Magdeburger Siedler kam aus den Nachbarländern, Kursachsen und übrigen sächsischen Staaten, aus Braunschweig . Die südwestdeutschen Länder sowie die norddeutschen lieferten in geringerem Umfange Kolonisten. Wirkliche Ausländer, die also nicht nicht Reichsdeutsche waren, wurde nur ganz vereinzelt angebaut. Pfälze r siedelten sich in Nietleben , Hemsdorf , Burg und Neuhaldensleben an.
In den Hungerjahren von 1770—1772 verließen sie häufig ihre Heimat, kamen mittellos im Herzogtum an, bettelten und erwiesen sich nach dem Urteil des Kammerpräsidenten v. Gaudi als der Landesart wenig kundig als schlechte und faule Wirte …“. 1775 wurde Kammerpräsidenten v. Gaudi, von Aus dem Winkel als neuer Kammerpräsident abgelöst, der in der Umsetzung der Kolonisation anders als Gaudi sehr nachlässig war und auf Nachfrage zum Stand der Ansiedlung und der verwendeten Gelder berichtete, daß der vorläufige Überschuß von 10974 rt. des ausgesetzten Kapitals von 120 000 rt. noch zum Bau eines Schul- und Bethauses in der Kolonie Hemsdorf und für Baumaßnahmen in der Schönebecker Kolonie benötige.
Auch die Ansiedlung von Soldaten lag dem König sehr am Herzen. Ich möchte dies nur erwähnen, weil sich auch ein Soldat in Hemsdorf niederlassen wollte. Meist bekamen diese kleine Bedienungen zugewiesen. Einige empfingen den Gnadenthaler, der aber nicht zur Bestreitung des Lebensunterhaltes hinreichte, sondern ein Nebenerwerb erforderte. Viele Inländer kehrten auf heimische Höfe zurück, wurden Bauern, Kossäten [… waren Dorfbewohner, die einen Kotten (eine Kate) besaßen. Sie hatten nur geringen Landbesitz], oder Tagelöhner. Etliche gingen aufs Dorf oder in die Stadt. Sehr viele unter ihnen waren Ausländer, an deren Ansässig werden im preußischen Land dem König viel gelegen war, da etliche nach der Entlassung ins Ausland heimkehrten. Jedoch war es dennoch nicht einfach sich als ehemaliger Soldat anzusiedeln. Jede Anfrage wurde der Kammer gemeldet. Waren es Ausländer bekamen diese wie den Inländern zustehenden 30 rt. Baugeld und 6 Freijahre. Sie mußten jedoch zuvor die Genehmigung des Regiments beibringen. Ein Husar, der eine Kolonistenwitwe zu Hemsdorf heiraten wollte, mußte erst die Erlaubnis des Regiments einholen und durfte den Hof erst dann zugeschrieben erhalten, wenn er vom Regiment entlassen war.
Auch ein Husar siedelte sich in Hemsdorf an Das Hemsdorfer Schulgebäude um 1970, zu dieser Zeit war rechts in den Anbau der Dorfkonsum untergebracht. im Haus wohnte Familie Anna Thormeyer
Die erste Schule wurde wahrscheinlich 1776 dort gebaut, wo heute das Haus der Familie Liebzeit steht. Dazu gehörte auch noch eine sogenannte Schulscheune. In der obigen Karte ist Schule und Scheune im roten Kreis abgebildet. Die Karte ist allerdings aus dem Jahr um 1830. Unterhalb des Kreises ist das Schul- und Bethaus aus dem Jahre 1831 eingezeichnet. Hier wurde später der Klassenraum angebaut. Zu DDR-Zeit befand sich darin der Dorfkonsum.
Der Lehrer unterrichtete nicht nur die Kinder, er hielt auch sonntags eine Erbauungsstunde für die Jugend und die Erwachsenen ab, die nicht nach Groß Rodensleben zur Kirche gehen konnten.
Ab 1776 gestattete Minister von Schulenburg den Erbpächtern auf ihr Ersuchen in begrenztem Umpfang Hypotheken aufzunehmen. Immer noch waren die Siedler aus dem Gröbsten nicht heraus. Die Hypotheken mußten auf des Amt Dreileben eingetragen werden. Auch 1777 blieb die Kolonie wieder Pacht rückständig. Die Exekution hatte wenig Erfolg wegen der großen Armut der Erbpächter. Alle ihnen als Inventar überlassenen Gebäude waren besonders an den Dächern sehr schadhaft und ihre Reparatur für 1500 rt. nicht zu bestreiten. Schlechte Kornpreise kamen dazu. Aber etwas hatten sich die Kolonisten nach Rundes Bericht an die Kammer mit Fleiß emporgearbeitet. Noch nie hatte er Hemsdorfer Viehzucht und Ackerbau in so gutem Zustand gefunden wie jetzt. Die Sommerbestellung war bereits gut und landesüblich beendet, wobei sich die Ansiedler wegen des mangels an Saatkorn gegenseitig unterstützt hatten. Das Wintergetreide Stand ebensogut wie in der Nachbarschaft. Der Rindviehbestand belief sich auf 60 Stück , 347 Schafe und Lämmer waren vorhanden. Dennoch gab die Kammer dem Amte auf, die Gehöfte zum Verkauf anzuschlagen, wenn die Pachtreste bis Crucis (Donnerstag nach dem 15. Sonntag nach Pfingsten im September] nicht bezahlt wären. Damit erklärten sich die Erbpächter einverstanden. Durch Sturmwind erlitten sie im August einen Ausfall an Getreide im Werte von 429 rt. Das Generaldirektorium bewilligte ihnen aber trotz der Fürsprache der Kammer keine Remission, da für sie schon genug geschehen wäre. Ende des Jahres 1777 mußte die erfolglose Exekution aufgehoben werden. Auch 1779 und 1780 drohte den Hemsdorfern wieder die Zwangsversteigerung ihrer Gehöfte. So nahmen 1780 viele Hypotheken zu 100 und 200 rt. auf, da sie nicht anders bestehen konnten. 3)
Tiefen und Höhen der Hemsdorfer
Kosten für Bauholz
Ein Anspännergut mit Wohnhaus, zwei Ställen, Scheune, Hof, Hofzaun und Torweg schätzte man 1782 auf 3020 rt. Wie sehr gegen Ende des 18.Jahrhundert die Güter im Wert stiegen, zeigt die Verkaufstaxe eines Halbspännergutes zu Hemsdorf mit 36 Morgen, das, den Morgen zu 110 rt. geschätzt, 1802 auf 6152 rt. taxiert, abzüglich der Abgaben 5187 rt. kostete, während 1773 der Kolonist Abraham Rau sein Halbspännergut von 36 Morgen Acker mit einem Drittel des alten Schafstalles, dem Platze zu Wohn- und Wirtschaftsgebäuden für 324 rt . verkaufte. 3)
Das Altenteil,         von Vererber und Erben,
Der Fall des Erbpächters Johann Peter Matthes gab 1782 Anlaß zu einer Regelung der Gutsübergabe an Erben oder Kinder. Künftig sollte bei Erbteilungen nach dem Tode oder bei der Übergabe des Gutes zu Lebzeiten der Eltern an eins ihrer Kinder mit der Bestimmung der Erbgelder für die übrigen das Gut vorher taxiert und von dem nach Abzug der Lasten und der darauf haftenden Schulden übrigbleibenden Wert nicht mehr als ein Drittel als eine zwischen sämtlichen Kindern zu teilende Erbschaft angenommen werden.
Die Geschwister durften nicht alle auf einmal von den Annehmer des Gutes das Geld verlangen. Die Hemsdorfer Wirtschaften waren ja königliche Domänengüter , durften also nicht unbegrenzt verpfändet oder mit Schulden belastet werden. Künftig blieb es weder den Eltern noch den Erben überlassen, das Gut, so hoch man wollte , einzuschätzen. Matthes durfte deshalb zur Abfindung seiner Geschwister auf sein Gut von 1090 rt. taxmäßigem Wert nur ein Anlehen von 363 rt. statt der verlangsten 500 rt. aufnehmen.
Auch der Auszug , das Altenteil , das die Eltern von ihren Kindern verlangten, war sehr hoch und bedrohte die Güter zugrunde zu richten. Ein Kossätengut von 18 Morgen Acker hatte, nach Abzug der Abgaben und 100 rt. darauf haftender Schulden, den Wert von 381 rt. 63 rt. mußte der Übernehmer seinen jüngeren Bruder zahlen. 3)
Die Eltern verlangten von ihm folgendem Auszug:
Ein Kossätengut ist ein Hof, welches von Gärtnern und Sätern vorrangig bewirtschftet wurde. Der Grundbesitz war nicht groß, es waren unter 60 Morgen Land. Es gab eine Kate darauf und die Kossäten besaßen wenig Tiere. Kossäten hatten jährlich eine festgelegte Anzahl an Tagen mit der Hand dem Herren Dienste zu leisten.
freien Sitz in der warmen Stube, die Stubenkammer zur Schlafstelle, den Boden über der Küchenkammer zum Gelaß ihrer Sachen und jährlich 12 Scheffel Brotkorn, 4Scheffel Weißen, 24 Pfund Butter, 24 Käse, 1 Schock Eier, 1 fettes Schwein nächst dem besten, 1 Viert Lein zu säen, 2 Pfund
Wolle, Feuerwerk zum Kochen und Waschen, den vierten Teil aller Ober- und Unterfrüchte aus dem Garten, freien Mitgebrauch des Hausgeräts, freie Bestattung nach dem Tode. Davon fiel beim Tode eines Elternteils die Halbscheid [die Hälfte] weg. 3)
Aber das Justizamt Dreileben erhielt den Bescheid , daß die Kammer den bedungenen Auszug nicht genehmigen könnte, da er einem solchen Gut auf keine Weise angemessen wäre und den Besitzer notwendig am Ende drücken müßte. Die Eltern sollten von dem Sohne freies Essen und Trinken, so gut als er es selbst genösse und weshalb sie an seinem Tische mitessen müssten, nebst der freien Wohnung und Feuerung, weiter aber nichts erhalten. Es wäre nicht ihre Meinung, daß diejenigen, die sich in das Altenteil setzten, völlig müßig gehen sollten. Sie könnten durch Handarbeit das, was sie etwa an barem Gelde für Kleidungsstücke benötigen, leicht dazuverdienen. Es wurde auch gestattet, daß die Eltern das kontraktlich ausbedungene Altenteil noch erhielten, wenn der Übernehmer und seine Frau früher starben und der Hof an einem Fremden kam. Da die Auszugskontrakte der amtlichen Genehmigung bedurften, wurde einer Überlastung des Gutes vorgebeugt. 3)
Als sich 1787 der erste Inländer in Hemsdorf ansiedelte , beschwerten sich die Kolonisten beim König: Es wäre ihnen bei ihrem Anbau die Zusicherung erteilt worden, kein Inländer dürfte sich in ihrem Dorfe anbauen. Das entsprach zwar nicht der Wahrheit, aber es ist bezeichnend dafür, wie sehr sich die Hemsdorfer als geschlossene Kolonie fühlten. Ihre Bitte, der König möge den Verkauf des Gutes an den Inländer rückgängig machen, wurde abgeschlagen, da sich kein ausländischer Käufer fand, der so vermögend war, eines der teuren Hemsdorfer Etablissements zu kaufen, auch der Verkäufer sich inzwischen anderswo im Lande mit einem Gute ansässig gemacht hatte. Viele Kolonisten waren mittlerweile zu Wohlstand gekommen und besaßen ein ansehnliches vermögen. 1799 bat die Kolonie den König um eins der Magdeburger Vorwerke zum Abbau für ihre Kinder. sie wurden aber abgewiesen mit ihrem unzeitgemäßen Gesuch: Die Herabsetzung der Hemsdorfer Erbpacht wäre ein redender Beweis von den Vorteil, den der Domänenrat von solchen Erbverpachtungen gehabt hätte. 3)
Vermischtes,    Inländer kamen zu Ausländer Schülerfoto auf der Treppe zum Schuleingang der Hemsdorfer einklassigen Volksschule, um 1950 (?), Foto B. Pitschmann
Kleine Auswahl an Bilder, auf denen das im Text erwähnte Schulgebäude zu sehen ist.
Meist verlangte er Naturallieferungen, denn die Erfahrung bewiesen, daß bares Geld immer schwerer von dem Landmanne zu erhalten sei. 1778 nahmen die Kolonisten den „Salierungsplan“ [besolden/bezahlen] an. Dazu an anderer Stelle mehr.
Hemsdorf in den kirchlichen Nachrichten
Es ist anzunehmen, dass über die hier beschriebenen, nachfolgenden Ereignisse in und über die Hemsdorfer Colonie erst viel später berichtet wurde als die Datumsangaben es in den Texten vermuten lassen. Es handelt sich wahrscheinlich um Veröffentlichungen in nicht näher bezeichneten Kirchenblätter oder Gemeinde.
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Quellen:
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Es sind weitere Nachrichten über Hemsdorf, aus der Zeit der

Kolonisten, eingetroffen. Deshalb immer mal wieder auf die

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