letzte Aktualisierung  16. Februar  2020
Diese Seite wurde am 23.Juni 2018 erstellt!
Für Hemsdorf das Tor zur Welt - der  Bahnhof Ochtmersleben
Foto. von Rudolf Werner
Schwerer Eisenbahnunfall zwischen Bahnhof Ochtmersleben und Hemsdorf-Ochtmerslebener Brücke
Etliche ältere Leute können sich vom Hören und Sagen an dieses folgenschwere Zugunglück erinnern. Auch ich habe erst durch die Aufzeichnungen von Rudolf Werner davon erfahren. Die Ursachen des Unglücks werden unterschiedlich angegeben. Von einem Geschützrohr ist die Rede, was sich schräg gestellt hat, von Stahlrollen oder Rohre ist die Rede, die sich gelöst haben, weil sie unsachgemäß befestigt wurden. Sogar von Sabotage wird gesprochen. Ich denke mal vielleicht ist ein Fünkchen Wahrheit über dabei. Unstrittig wird aber auch die Tatsache sein, dass durch die Versetzung und den Einsatz vieler Qualifizierter Eisenbahner in die Kriegsgebiete, zur Aufrechterhaltung des Zugverkehrs,mit eine Ursache sein könnte. Denn während der späten Kriegsjahre sind Eisenbahnunglücke keine Seltenheit und sie bringen zusätzliches Leid. Die Namen der Toten sind mir nicht bekannt. Die Toten wurden auf den Friedhof in Ochtmersleben bestattet. Die Grabstelle existiert nicht mehr. Seit kurzem erinnert wieder eine kleine Tafel an diesem schrecklichen Unfall. Ich finde das ist eine schöne Geste. Ich möchte nun die oberen Erzählungen von Rudolf Werner mit seinen Schilderungen als unmittelbarer Augenzeuge fortfahren. Rudi war damals, 1944, 13 Jahre.
Wetter 17. November 1944: Berlin - wolkig mit etwas Regen, Bremen - bedeckt mit viel Regen, Dresden - wolkig mit Schneeregen oder vereinzelt Schneeregenschauer, Hamburg-Fuhlsbüttel - bedeckt mit Regen, Hannover - bedeckt mit viel Regen, Leipzig/Halle - bedeckt mit Regen 17.11.1944 - HISTORISCHES WETTER Ich habe auch mal zum Wetter an diesem Tag recherchiert. Es war, am 17.11.1944, mutmaßlich wie am 17.11.2018. Nachts vielleicht auch ein bisschen Frost, tagsüber grau, ein bisschen Sonnenschein, möglicherweise vielleicht auch Regen oder, schon bedingt durch den Frost oder Nebel in dieser Zeit ziemlich ungemütlich und schmuddelig. (von Rudolf Werner) Das Reisen mit der Bahn im Kriegsjahr 1944
„Im letzten Kriegsjahr war die Reise mit der Bahn, wegen den Angriffen der Tiefflieger auf die Züge, gefährlich genug. Bevor über die Bedeutung der Bahn weiter geschrieben wird, möchte ich über einen Angriff der Tiefflieger berichten, den ich zusammen mit meiner Mutter erlebte. Für die Schulentlassung zum Frühjahr 1945, erhielt ich üblicherweise einen Bezugsschein für einen „langen Anzug“, lange Hose und Rock. Die Kleidung gab es nur in Magdeburg zu kaufen, wenn in der letzten Kriegszeit überhaupt Ware vorhanden war. Auf den Ochtmerslebener Bahnhof stiegen wir in den Personenzug nach Magdeburg ein. An dem Morgen lag dichter Nebel über die Börde, ein Glück, wie wir später empfanden. Die schlechte Sicht hinderte die Piloten der Jagdflieger, ihre Ziele genau zu erkennen. Der Zug wollte gerade auf dem Bahnhof von Wellen seine Fahrt fortsetzen, als ein Flugzeug über uns im Tiefflug donnerte.“
„Sogleich fuhr der Zug an und hielt einige 100 m weiter in dem dortigen tiefen Einschnitt der Bahntrasse. Keinen Augenblick zu spät, denn bei dem erneuten Überflug warf er eine Bombe ab, die oberhalb der Böschung im Feld explodierte. Ein letztes mal attackierte er mit seinen Bordkanonen, verfehlte uns aber, weil der Angriff im rechten Winkel zu den Gleisen erfolgte. Panik unter den Reisenden gab es nicht. Meine Mutter und ich taten es den Soldaten gleich, die , nachdem der Zug hielt, absprangen und sich im Graben neben dem Gleis warfen. Uns hatte der Mut zur Weiterfahrt verlassen. Die Schienen entlang, über die Bude 9 und den Scheibenberg, liefen wir nach Hause. Meine Kleidung bestand durch die verhinderte Einkaufsreise bei der Schulentlassung “unter der Fahne“ in der Jungvolk- Uniform mit kurzer Hose. Bahnreisen war derzeit mit Abenteuern verbunden.“
04.09.2017
20.08.2017
Feldweg von der Eisenbahnstrecke Braunschweig-Magdeburg in Richtung Hemsdorfer Chaussee (08/(2017) Auch im Feldweg auf der Hemsdorfer Seite werden es immer mehr, meistens Obstbäume, die gepflanzt werden (08/2017) Im Feldweg zur Brücke, an der Hemsdorfer Chaussee (08/2018)
August 2017, Hansen‘s Gaststätte auf dem Bahnhof Ochtmersleben; rechts ein uralter Kirschbaum im Ochtmerslebener Feldweg (2017), er hat bestimmt mehr als 60 Jahre „in der Krone“.
Foto links (2017), am linken Bildrand steht ein Strommast. Von hier in Richtung Brücke ging der Weg an den Gartenbleeker vorbei, der dann vor der Brücke in einen Trampelpfad endete.
Linkes Foto 08/2017: Die ehemalige „Wilde Zicke“ in Hemsdorf. Auch dieses Gebäude wurde für die Eisenbahn um 1860 erbaut. Später gehörte es zu Raeckes Gut und diente als Unterkunft für die b e s c h ä f t i g t e n Arbeiterfamilien.
Foto oben 04.09.2017, hinter dem Bahnhof wurde der Feldweg neu gebaut. Dieser geht bis zur Chaussee nach Drackenstedt. Auch die „Pappelallee“ hinten im Bild wurde entfernt.
In den 90er Jahren wurde die Bahnstrecke nochmals modernisiert. Ach der ICE fuhr mal eine Zeit lang von Hannover mit Halt in Magdeburg nach Berlin. Dann wurde die ICE - Strecke über Stendal geführt. Der Magdeburger Hauptbahnhof dadurch ausgegrenzt. Jetzt fahren wohl ein bis zwei mal am Tag die ICE-Züge auf dieser Strecke. Ansonsten sind auch neben der Deutschen Bahn (DB), auch viele private Bahnen unterwegs und müssen am alten Fliederbusch vorbei.
J uli 2018, von links beginnend: 1. Foto von der Brücke zur Hemsdorfer Chaussee und 2. Foto in Richtung Brücke,, 3. Foto an der Hemsdorfer Chaussee.

Die Eisenbahnstrecke Magdeburg (Central-Bahnhof) -

Helmstedt mit den Stationen Magdeburg (Central-

Bahnhof), Sudenburg, Niederndodeleben,

Ochtmersleben, Drackenstedt, Eisleben, Wefensleben

und Helmstedt wurde am 01. Juli 1872 für den

Personen- und Gepäckverkehr eröffnet.

1)

Weil ich durch Zufall Augenzeuge dieses schrecklichen Geschehens wurde, will ich den Hergang und die Folgen schildern. Meine Mutter war aus dem von Hannover kommenden Personenzug auf dem Ochtmerslebener Bahnhof ausgestiegen, von dem ich sie abholte. Wir gingen eben auf diesen Fußweg, waren in der Nähe des dortigen Stellwerks, als der Personenzug an uns vorbei in Richtung der Brücke fuhr. Ein Güterzug aus der Gegenrichtung nahte ebenfalls.Dann ein großes Krachen, Splittern und Quietschen. Durch die Neigung der Kurve, war eine riesige Granatenpresse von einem der Güterwagen auf den Personenzug gekippt. Beide Züge hatten keine große Fahrt, kamen aber nicht so schnell zum stehen. Der Personenzug war , wie in dieser Kriegszeit, über und über mit Reisenden besetzt. Arbeiter welche zur Schicht fuhren und sehr viele Militärangehörige. Alle Außenplattformen und oberen Trittbretter waren vollgepfercht mit Leuten. Wer durch den Aufprall auf die Gleise, zwischen die Züge herunterfiel, wurde überfahren. Als die Züge zum Stehen kamen, hub ein furchtbares Schreien und Gejammer an. Ich lief die kurze Strecke zur Unglücksstelle. Eine Schaffnerin wälzte sich in ihrem Blut, ihr war ein Bein abgefahren. Soldaten banden ihr sogleich den Oberschenkel ab. Die Soldaten waren die großen Retter der Verletzten und den in Trümmern Eingeklemmten. Ich kroch unter den zwei Zügen zu der Böschungsseite durch, von der aus die Rettungsaktionen anliefen. Auf den Gleisen sah ich Verstümmelte und Verletzte liegen. Offiziere leiteten den Einsatz zur Bergung der Verletzten und der Toten. Einige der Soldaten buddelten eilig Stufen in die dort steile Böschung. Auf denen wurden die Opfer nach oben getragen. Ich half den Trägern mit den Tragen. Oben auf dem Acker legte man die Toten ab und versorgte die Verletzten. Überall an der Unglücksstelle lagen die Koffer und andere Gepäckstücke verstreut. Zwei Fremdarbeiter wurden mit geplünderten Sachen erwischt, und man wollte sie an Ort und Stelle erschießen. Ein Offizier verhinderte das aber. Es hätte in dem furchtbaren Geschehen noch zu mehr Panik geführt. In der heutigen sensationshungrigen Zeit, wäre solch Zugunglück nahe Hemsdorf, ein Medienereignis gewesen und in alle Welt verbreitet worden. In der damaligen mörderischen Kriegszeit 1944 waren so lokale Unglücke nicht groß erwähnenswert. Ob im Magdeburger Generalanzeiger darüber berichtet wurde , weiß ich nicht. Angeblich war es Sabotage, dass die Granatenpresse vom Waggon kippte. Es hieß: die Verankerung wäre durchtrennt gewesen.“

Das Bahnhofsgebäude, um 1900 aufgenommen. Möglicherweise auch kurz nach

seiner Fertigstellung, da noch keine Pflanzen an der Fassade ranken.

Teil 1, Seite 3
Quellen 1) Centralblatt für Eisenbahnen und Dampfschiffahrt Nr.86 1872 2) Im Duden aus dem Jahre 1911 steht dazu. „Bleek, (ndrd.); Fläche, Ebene; öfter im Namen für öffentliche Plätze, z. B. Kaiserbleek,
G ebaut wurde die Bahnstrecke durch die Magdeburg- Halberstädter Eisenbahn (MHE) ab dem frühen 1860 Jahren. Unter dem Link: h t t p s : / / d e . w i k i p e d i a . o r g / w i k i / B a h n s t r e c k e _ B r a u n s c h w eig%E2%80%9 3Magdeb urg kannst du in WIKIPEDIA noch mehr Details erfahren.
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