Hemsdorf
… hier wo die Schrote entspringt
Der Wegweiserstein im Dreilebener Feldweg
letzte Aktualisierung   02. Juli  2020
Diese Seite wurde am 29. Oktober 2016 erstellt!
Spurensuche
möchte ich dieses Kapitel betiteln und und darin kundtun was mir schon lange am Herzen liegt. Viele Menschen haben in Hemsdorf gelebt, gearbeitet. Wurden in Hemsdorf geboren, sind hier alt geworden oder wieder weggezogen. Es sind aber auch etliche, wie die Kolonisten aus dem Pfälzischen hierher nach Hemsdorf gezogen. Jeder hat auf seine Art Spuren hinterlassen. Einige sind noch kenntlich, einige sind sichtbar ohne zu wissen wer sie uns hinterlassen hat und viele sind vielleicht noch verborgen oder schon wieder verschwunden. Den Stein des Anstoßes habe ich mir selbst schon vor langer Zeit gegeben, als ich bestimmte Dinge oder Gegenstände mit einem Datum versehen habe wenn sie fertig waren. Hilfreich sind auch Datumsangaben auf längst verblichene Fotos. Auch findet man Herzen an Bäume, vielleicht noch mit Jahreszahl, oder in alten Mauern geritzt oder nur Initialen mit Namen und von jenen mit denen man unterwegs gewesen ist und an dieser Stelle war um sich hier zu verewigen. Wenn man heutzutage, vielleicht nach langer Zeit, auf solche Spuren trifft, stellt man fest, wie lange das doch schon wieder her ist. Im Rückblick versucht man sich dann an den Anlass zu erinnern, wie und warum es dazu kam sich gerade hier zu verewigen.
purensuche
Oben als Seitentitelbild und das linke Bild zeigen den Wegweiserstein im Dreilebener Feldweg. Er ist leicht zu finden, steht er doch etwa zur Hälfte der Strecke zwischen Hemsdorf und Dreileben, was dann doch 5 Kilometer entspricht. Er markiert die Schnittpunkte von vier Feldwegen. Den Hauptweg zwischen Dreileben und Hemsdorf in Ostwest Richtung über die Kreisstraße zwischen Bahnhof Ochtmersleben und Groß Rodensleben mündet dieser auf die Hemsdorfer Chaussee.
Solche, heute etwas versteckt stehenden steinernen Wegweiser, gab es an vielen alten Wegeführungen in unserem Bördekreis. Sie stehen an alten Straßenverbindungen, vielfach an den Kreuzungen solcher Trassen, die vor den Chausseebauten des 19. Jahrhunderts als unbefestigte Ortsverbindungsstraßen eine viel höhere Bedeutung hatten, als es heute noch der Fall ist.
Ein dritter Feldweg führt vom Wegweiserstein in Südwestliche Richtung über die Ortschaft Bergen hinaus zum Kloster Mayendorf .
Der Feldweg aus südlicher Richtung von Groß Rodensleben über den Galgenberg , am Wegweiserstein vorbei in fast nördlicher Richtung, endet an der Bahnstrecke Magdeburg-Braunschweig. Bis in den 70er Jahren war hier noch ein Bahnübergang. Wollte man in Richtung Drackenstedt über die Bahngleise musste man Klingeln und die Schranken wurden vom Stellwerksbeamten des Stellwerks Bahnhof Dreileben-Drackenstedt geöffnet.
Etliche Personen haben sich hier in diesem Stein verewigt. Auch viele ehemalige Hemsdorfer. Foto: 2016 purensuche
S S
Aufnahmen vom 29. November 2016, gegen 16:00 Uhr, die Sonne stand schon ziemlich tief.
Der Kartenausschnitt (rechts) aus dem Jahre 1900 zeigt sehr schön die Schnittpunkte der „alten Wege“ die, die oben genannten Ortschaften verbinden. Der Galgenberg mit seinen 149 M übertrifft den Hemsdorfer Scheibenberg mit seinen 129 Meter um 20 Meter. Der Mühlenberg westlich von Hemsdorf ist mit 142 Meter angegeben und die an seinem Ostrand vor Hems- dorf entspringende Quelle der Schrote erblickt bei 107 Meter das Tageslicht. Wenn die Schrote bei Wolmirstedt in die Ohre mündet hat sie 30 KM zurückgelegt und hat nur noch 43 Meter über NN. Das ist ein Höhenunterschied von 64 Meter. Sehr gut zu sehen sind auch noch die Standorte, zumindestens hier um das Jahr 1900, abgebildeten Mühlen von Groß Rodensleben.
Meist läuft man an ihnen achtlos vorbei, manchmal betrachtet man sie aber auch genauer. Die Rede ist von alten W e g w e i s e r s t e i n e n . Unseren Vorfahren dienten sie der Orientierung bei einer Reise zu Verwandten oder zum nächsten Markt. Dabei lohnt es sich, diese alten Wegweiser genauer anzuschauen, sei es wegen den Entfernungsangaben, die sich nicht immer auf die Zeitdauer zu Fuß bezogen, der Entfernungsangaben oder sei es auch wegen einer altertümlichen Schreibweise von Orten. Oder weil man von ganz was anderem überrascht wird. Übrigens ein Preußische Meile entsprach 7,532484 km. Üblicherweise wurden bei Reisen am Tag Im Schnitt 5 Meilen am Tag geschafft.
Wann dieser Stein und von wem in wessen Auftrag aufgestellt wurde wissen wir nicht. Seine 200 Jahre wird er sicherlich auf den Buckel haben. Denn mit dem Straßenbau, in dem die Straßen noch KUNSTSTRAßEN hießen und erst mit der Besetzung durch Napoleon sich im Sprachgebrauch der Begriff CHAUSSEEN durchsetzte, begannen man in Preußen erst um 1780 (?) . Straßenbau war teuer und Preußen begründete das Hinauszögern damit, dass die Feinde auf den „Feldwegen“ nicht so schnell vorrücken konnten. Unser Wegweiserstein wird sicherlich vielen Reisenden ihren Weg gezeigt haben obwohl auf ihm keine Ortschaften mehr zu lesen sind.
Für Reisende mit einer Postkutsche um das Jahr 1700 bedeutete das, in etwa alle 35 Kilometer ein Pferdewechsel mit einem Aufenthalt von ca. zwei Stunden. Für die 20 Meilen (ca. 150 km) von Berlin nach Dresden benötigt die Fahrpost 4 Tage, für die 76 Meilen (ca.565 km) nach Königsberg 12 Tage, die 73 Meilen nach Kleve (ca. 550km) legt der Reisende in knapp 11 Tagen zurück. 1)
Unteres Foto deutet auf einen schlammigen Weg und ist dennoch gut befahrbar. Wie werden wohl die Wege damals ausgesehen haben, als mit Pferdewagen oder Ochsengespanne gefahren wurde.
S p u r e n s u c h e
Er hat mein Interesse deshalb geweckt, weil sich etliche Leute auf ihm verewigt haben. Der Name der noch am deutlichsten zu lesen ist H. HORBACH, ein Hemsdorfer und Nachfahre der Horbach‘s , die als Brüder und Kolonisten 1771 in Hemsdorf einzogen. Das H. kann für Heinrich oder Hermann stehen. Die Gravur in ein Jahr des 17. Jh. oder des 18. Jh. fallen. Je nachdem um welchen Horbach es sich handelt. Vielleicht findet sich noch eine Klärung.
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Es gibt noch weitere Wegweisersteine in und um Hemsdorf. Im Ort selber steht einer an der Rückseite des Grundstücks von ehemals Familie Schwitzer. Genau am Ende des Stallgebäude und jetzigem Trafo-Haus.
Der Stein hier zwischen Hemsdorf und Dreileben, Groß Rodensleben und Drackenstedt, Bergen und Ochtmersleben hat schon ganz schön Federn gelassen. Viele Zeichen sind nur zu erahnen. Sicherlich haben sich auch Leute der umliegenden Ortschaften an den Stein versucht. Vielleicht auch Soldaten die hier auf dem Weg zu ihren Schlachten durchmarschiert sind. Denn einige Spuren könnten auch von Einschüssen stammen.
Den wohl größten Ansturm hatte der Stein wohl am 06. Januar 2017. Ca. 146 Wanderfreunde folgten den Aufruf der Freiwilligen Feuerwehr Groß Rodensleben und dessen Förderverein unter Juliane Freistedt, zur Grünkohlwanderung. Die Wanderung führte Matthias Pomrenke. Unter dem Motto „Auf den Spuren Napoléons“ gab es auch einen Stopp am Wegweiserstein im Feldweg nach Hemsdorf , Groß Rodensleben, Dreileben und Bergen. Das hat ja mal wieder geklappt.
In Blickrichtung (Süden) befindet sich der Ort Groß Rodensleben. In Richtung des Fotografen geht es über den Galgenberg, 147 Meter hoch, zum Wegweiserstein. (Foto aus Volksstimme vom 12. Januar 2018)
Der dritte Wegweiserstein stand an der Weggabelung hinter dem Scheibenberg (früher auch Schefe - Berg), Richtung Bude 9 . Die Bude 9 , umgangssprachlich so von den Hemsdorfern der Name für das ehemaliges Bahnwärterhäuschen mit Schranke und Schrankenwärter(in). Das Häuschen oder die „Bude“ trug gut lesbar die Nummer 9. Hier konnte der „Wandersmann oder die Landwirte die Eisenbahngleise von und nach Ochtmersleben oder Wellen überqueren. Um 1990, ich kann mich noch daran erinnern, stand der Stein ziemlich verwahrlost und schief in an seinem angestammten Platz. Dann unbemerkt, niemand konnte sich mehr an ihm erinnern, keiner wusste zu welcher Zeit er verschwand. Als ich mit den Vorbereitungen zu meiner Homepage begann, machte ich mir schon Sorgen wo er abgeblieben war. In der Annahme , dass er durch die großen landwirtschaftlichen Maschinen unter die Räder gekommen ist oder noch schlimmer, unter dem großen Erdhaufen vor dem Weg hoch zur Bude 9 , für immer begraben liegt, wollte ich in diesem im Frühjahr (2018) eine Suche nach ihm beginnen.
Durch Zufall habe ich Hinweise zu dem möglichen Stein und dem jetzigen Standort bekommen. Ein Naturfreund hat ihn vor dem bewahrt, was ich schon als gegeben angesehen hatte, nämlich den Totalverlust oder auch die Zerstörung des Wegweisersteins.
Nachforschungen ergaben, dass der Stein, zwar von der Zeit gekennzeichnet, aber sonst in einem akkuratem Zustand ist. Er steht jetzt in einem Garten in Ochtmersleben und trägt jetzt eine Vogeltränke.
Soweit erkennbar hat er die Richtung zu folgenden Dörfern angezeigt:
Rechtes Bild unter dem nach links weisenden Pfeil beginnend -
Hemsdorf
Groß Ro- densleben
Domersleben
Ochtmers- leben
Wellen
Rechtes Bild, unter dem nach links weisenden Pfeil -
Bei der Dokumentation des Wegweisersteins an der Bude 9 ist mir aufgefallen, dass die Richtungspfeile auf dem Stein nicht mit dem Wegverlauf übereinstimmen. Schon früher als Kind habe ich mich gewundert, dass die Richtung der Orte auf dem Stein mit dem Verlauf der Wege zu den Orten nicht zusammen passten. Anscheinend stand der Stein mal an einer anderen Weggabelung. Die Karte rechts wurde um das Jahr 1840 veröffentlicht. Die Wege auf ihr sind wahrscheinlich noch älter. Einige Wege verlaufen noch anders als bei der vorderen Karte , die um das Jahr 1900 entstand. Es fällt schwer einen passenden Standort zu finden.
Hemsdorf
Groß Ro- densleben
Domersleben
Ochtmers- leben
Hemsdorf
Groß Ro- densleben
Domersleben
Ochtmers- leben
oder
es könnte also an dieser Stelle der Ort R o d e n s l e b e n eingemeißelt gewesen sein.
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In der Karte ist die Eisenbahnstrecke von Magdeburg nach Braunschweig noch nicht vorhanden. Durch den Bau der Bahnstrecke, die ca. 500 Meter in Ost-West Richtung an Hemsdorf vorbei führt, wurden auch ehemalige zusammenhängende Flächen geteilt. Neue Wege führten über die Bahnstrecke. In Bezug auf unseren Wegweiserstein durch den beschrankten Bahnübergang, Bude 9 genannt.

Die Eisenbahnstrecke Magdeburg (Central-Bahnhof) - Helmstedt mit den Stationen

Magdeburg (Central-Bahnhof), Sudenburg, Niederndodeleben, Ochtmersleben,

Drackenstedt, Eilsleben, Wefensleben und Helmstedt wurde am 01. Juli 1872 für den

Personen- und Gepäckverkehr eröffnet.

2)

Wegweiserstein am Uhlenhoch (?) undatierte Aufnahme von Rudolf Werner P l a t z h a l t e r ich … bin ein …
Spurensuche
purensuche purensuche
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Weitere Spuren unserer Altvorderen aus Hemsdorf

finden wir hinter der Eiche neben der Schrotestraße an einen Scheunengiebel, der zum Grundstück der Familie Grope gehört. Eine Tafel mit den Aufschrift Friedenseiche 1870 - 1871 gibt von der Straße unweit vom Ortseingang eine wichtige Orientierung. Man geht davon aus, dass der Baum nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gepflanzt wurde. Dies geschah damals in vielen Orten. Auch 1887 wurden in vielen Orten des Deutschen Reiches anlässlich des 90. Geburtstages von Kaiser Wilhelm I.. Eichen gepflanzt . Ob es wirklich eine Friedenseiche oder eine Geburtstagseiche oder ein Hemsdorfer den Baum ganz einfach vor seinem Grundstück pflanzte, kann man in Anbetracht der Mächtigkeit des Baumes ruhig hinterfragen. Sein Stammumfang beträgt ca. 380 cm. Ein Baum mit 120 cm Stammdurchmesser muss erst einmal wachsen. Heute im Jahre 2018 währe sein Alter so ca.140 Jahre. Vor etwa 50 Jahren, also um das Jahr 1967 kam mir der Stamm, was auch auf einen Foto zu sehen ist , nicht viel schlanker vor.
Foto rechts ist um das Jahr 1965 bis 1967 entstanden. Es zeigt mich vor der „Friedenseiche“ . Im Hintergrund links neben dem Radfahrer das Haus der Familie Bröcker. Mit Läden an den Giebelfenster und vor den unteren Fenstern an der Straßenseite stehen noch die zwei Birnenbäume. Diese bremsten die Schlittenfahrt vom Rüsterberg rechts (nicht im Bild) im Winter. Noch am linken Bildrand zu erkennen der Giebel eines Wonhnhauses das zur Familie Strumpf und dann Bennewitz gehört. Gegen ende des Krieges haben hier viele Familien Unterkunft gefunden. Auch meine Eltern haben hier mal gewohnt und auch Gisela Goedecke mit Kinder. Auch der Landarzt hatte eine Zeit lang sein Arztzimmer in dem Haus. Von Familie Bennewitz wurde es dann zurückgebaut und als Bungalow im Garten genutzt, mit Blick auf die Schrote.
Hinweis: Wenn ihr den rechten Button benutzt, kommt ihr direkt auf die BAUMSEITE. Dort befindet sich ein ähnlicher Button der euch direkt zur dieser Stelle zurück bringt.
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